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SINN-voll

Kurt Steindl 0

Am 7. Juli 1985 schrieb ein 17-jähriger Tennisgeschichte. Ich kann mich tatsächlich noch genau an diesen Tag erinnern. Meine Frau und ich hatten uns erst drei Wochen zuvor kennen- und lieben gelernt und schauten gemeinsam mit Freunden am Sonntag Nachmittag, wie Boris Becker sich mit Mut und Hechtsprüngen den Turniersieg holte. Bei jedem Winner klatschten wir begeistert Beifall. Dieser junge Mann gefiel uns mit seiner unverfrorenen und kraftvollen Art Tennis zu spielen. Sein Auftreten war dynamisch und souverän. Er wusste, was er wollte.

In den letzten Wochen machte der ”Bobbele” wieder von reden. Allerdings weniger mit herausragenden Leistungen, sondern eher mit Peinlichkeiten. Seine zweite Autobiografie war erschienen und damit kreuzte der ehemalige Tennisstar durch die Medienlandschaft. Körperlich und auch geistig sichtlich nur mehr ein Schatten seiner selbst. In Interviews beklagte er den mangelnden Respekt, mit dem er behandelt wird und gleichzeitig sparte er selbst nicht mit respektlosen Indiskretionen über seine Verflossenen. Es schien als hätte Herr Becker seine Souveränität und Dynamik eingebüßt.

Manchmal kann auch der Sport das Element sein, das einem Leben Sinn verleiht. Und mit dem Verlust der körperlichen Fitness wird das Leben dann allmählich SINN-los. Dann kann die Beschriftung auf dem eigenen Lebenskompass verwischt sein und man fällt aus der Spur. Man verliert seinen Halt und seine Orientierung. Eine gähnende Leere im Inneren macht sich breit und verzweifelt sucht man nach Instantlösungen, um dieses existenzielle Vakuum zu füllen. Oftmals mit allerhand SINN-entleerten Dingen wie Geld, Macht, kurzen Vergnügungen, Alkohol, inszenierten Auftritten und dergleichen mehr.

Aus diesem Dilemma finden dann viele nicht mehr heraus und bleiben damit auch in der persönlichen Entwicklung stehen. Anstatt zu reifen, versucht man krampfhaft die Jugend zu erhalten und übersieht dabei, in Würde alt zu werden. Die Oberflächlichkeit und die Außendarstellung bestimmen dann das tägliche Sein. “Die Motivation der meisten frühmorgens aufzustehen ist, weil sie pinkeln gehen müssen!” Dieser Satz eines Jesuitenpaters wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Wozu stehe ich denn wirklich auf?

Wenn ich nicht weiß wozu, dann fällt alles Tun schwer. Es braucht die Zeit zum Innehalten und Reflektieren. Was will ich aus tiefsten Herzen und was wünsche ich mir nur? Was zieht mich an, im Gegensatz zu: Was treibt mich an? Was lässt mich tanzen und singen oder zumindest tiefe innere Zufriedenheit spüren? Wann empfinde ich diese tiefe angenehme innere Wärme? In der Regel hat dies nicht mit materiellen Dinge zu tun. Wünsche entstehen lediglich aus einem Gefühl des Mangels. Das Wollen ist ein tiefes inneres Bedürfnis, das erfüllt. Darin ist meist viel SINN-haftes enthalten.

Die Weihnachtszeit bietet vielleicht diese Zeit der Sinnstiftung. Wir wünschen es Ihnen aus vollstem Herzen.

About Kurt Steindl

Kurt Steindl ist professioneller Vortragsredner und Hoteltester. Seine Sicht der Dinge stellt er in diesem Blog vor.

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