Skip to Content

 

Inhabergeführte Hotels

Kurt Steindl 0

Die klassischen Hotelketten haben mit aufrichtiger Gastfreundschaft leider meist wenig am Hut. Man versucht da vielmehr den Schein eines freundlichen Hauses zu vermitteln. Dabei wird übersehen, dass immer weniger Menschen gewillt sind, sich diese Art der „Dienstleistung“ gefallen zu lassen.

Gerade in den deutschsprachigen Ländern sind wir immer einen anderen Weg gegangen. Das Bundesland Tirol hat vorgezeigt, wie sich eine verhältnismäßig kleine Region zum Weltmeister im Tourismus macht. Damit Sie sich diesen Erfolg auch bildhaft vorstellen können: Das kleine Tirol hat in einer Wintersaison mehr Übernachtungen als das große Griechenland im ganzen Jahr. Wohlgemerkt vor der Krise! In Tirol dominieren Inhabergeführte Ferienhotels, die sich dem Wohl des Gastes verschrieben haben. Da wird die Ankunft des Gastes oftmals noch zelebriert, Stammgäste sind mit der Zeit zu wahren Freunden geworden und das Miteinander ist von Herzlichkeit geprägt. Natürlich gibt es da wie dort Ausnahmen aber eine eindeutige Tendenz ist erkennbar.

Was machen die Inhabergeführten Hotels besser?
In erster Linie wissen sie, dass im Mittelpunkt nicht das Geld, sondern das Wohlbefinden des Gastes stehen muss, um erfolgreich zu sein. Nur der Gast, der mit angenehmen Gefühlen an seinen Hotelaufenthalt zurückdenkt, wird früher oder später wieder kommen wollen. Und wird seine positiven Erfahrungen auch im Freundes- und Bekanntenkreis teilen. Daraus kann ein regelrechter Selbstläufer werden. So wie mir ein Hotelier aus den Bergen antwortete: “Werbung? Nein, des brauch ma net wirklich. Mir san eh schon voll und mehr geht fast net! Mir ham fast neunzig Prozent Stammgäste. Und de neichen Gäst` kommen auf Empfehlung von andere Gäst`. De Werbung spar ma ins!”

Unmöglich? Ein Glückfall? Erfunden? Nein, das Gespräch habe ich tatsächlich geführt. Noch dazu verfügt das Hotel nicht über ein tolles Schigebiet in der Nähe oder über einen grandiosen See mit Bademöglichkeit. Die Lage ist nicht atemberaubend, sondern eher trist. Man könnte es sprichwörtlich als am Ende der Welt bezeichnen. Sogar den Golfplatz musste man sich selbst vor die Tür bauen. Und doch funktioniert das Haus. Es ist übrigens auch eines der wenigen Häuser, in denen sich die Gäste lächelnd gegenseitig grüßen, obwohl sie sich gar nicht kennen. Die Atmosphäre ist einfach harmonisch und entspannt und die Gäste fühlen sich wohl.

Es ist sechs Mal so teuer einen neuen  Gast zu gewinnen, als einen bestehenden zu behalten.
Vielleicht kennen Sie diese Aussage ja bereits? Darin steckt viel Wahrheit und vor allem wirtschaftlicher Erfolg. Wenn es uns gelingt jeden(!) Gast positiv zu verblüffen und zu überraschen, dann ist der wirtschaftliche Erfolg nicht zu verhindern. Einer der schönsten Nebeneffekte wäre dann übrigens auch, dass das Haus mit angenehmen Gästen und viel Harmonie gefüllt ist, was sicherlich auch Auswirkungen auf die Motivation der Mitarbeiter hat. “Gute Hotellerie erkennt man daran, dass der Gast das Haus glücklicher verlässt als er gekommen ist!“ Klingt etwas pathetisch, entspricht aber vollkommen der Wahrheit.

„Aber es gibt doch auch Gäste, die wollen offenbar gar nicht glücklich sein!“, bekomme ich mitunter als Antwort. Ja, das stimmt. Und darüber sollten wir uns freuen. Stellen Sie sich vor, wie langweilig das Leben wäre, wenn alle Gäste immer fröhlich und genügsam wären. Das wäre auf Dauer gar nicht auszuhalten. Das wäre so, wie wenn jeden Tag die Sonne scheinen würde. Mit der Zeit würden wir das sogar als lästig empfinden. Es braucht also auch den Regen und den Sturm, um die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut entsprechend zu würdigen. Genauso braucht es auch die Herausforderung auf den Verstimmten eingehen zu können und gemeinsam eine Lösung zu finden, die ihn wieder zufrieden sein lässt. Ist das einfach? Nein! ABER ES IST GUT.

About Kurt Steindl

Kurt Steindl ist professioneller Vortragsredner und Hoteltester. Seine Sicht der Dinge stellt er in diesem Blog vor.

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.