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Emotionen im Beruf

Kurt Steindl 0

Sie kennen bestimmt noch den alten Spruch: „Bier ist Bier, Schnaps ist Schnaps!“ Er wurde früher oft verwendet um den Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit klar zu machen. Dahinter steckte der Gedanke, dass man in der Arbeit ein anderer Mensch zu sein hat, als im Privatleben. Das Wort Disziplin wurde dann gerne als Maßstab herangezogen. Wer diszipliniert ist, kann Arbeit und Freizeit gut trennen.

Zu einem kleinen Teil stimmt das natürlich. Wir sind in der Arbeit doch meist in einer anderen Rolle als im Privatleben. Und entsprechend anders verhalten wir uns. In der Arbeit ist es ja auch nicht immer ratsam seine Gedanken ungefiltert auszusprechen. Speziell dem Boss gegenüber kann das schon unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen. Da sind wir oftmals schweigsamer oder zumindest vorsichtiger bei der Wortwahl als im engen Freundeskreis.

Andererseits sind wir als Mensch jedoch eine unteilbare Einheit. Wir können uns nicht teilen. Zumindest unterschwellig werden wir private Probleme auch mit in die Arbeit nehmen. Genauso wie eine Hochstimmung. Umgekehrt haben berufliche Frusterlebnisse automatisch eine Auswirkung auf unser Privatleben. Wir nehmen sie mit nach Hause. Natürlich machen wir das auch bei Erfolgserlebnissen. Da freut sich dann auch der Partner, wenn wir glücklich heimkommen und im Wohnzimmer herumtanzen, weil der große Auftrag an Land gezogen wurde.

Natürlich werden wir im Berufsleben eher danach trachten, unsere Emotionen nicht wie auf einem Präsentierteller vor uns herzutragen. Sondern mit Zurückhaltung agieren. Da werden wir mitunter sogar mitlachen, auch wenn uns der Scherz des Vorgesetzten nicht wirklich lustig erscheint. Da werden wir bei Verhandlungen eher ein Pokerface aufsetzen, um unsere Karten möglichst lange verdeckt zu halten. Wer im Berufsleben viele Emotionen zeigt wird ja in unserer heutigen Gesellschaft zumindest etwas kritisch angesehen. „Was ist denn mit dem los?“ Ja, wir denken sogar, dass man seine Emotionen im Griff haben sollte. „Also bloß nicht zeigen, wie es uns geht“, lautet die Devise. Dann machen wir sogar gute Miene zum bösen Spiel, während in uns ein Orkan der negativen Gefühle braust. Da lächeln wir, obwohl uns gerade zum Weinen zumute ist. Vor Liebeskummer, Trauer, Enttäuschung.

Gerade in den Dienstleistungsbranchen, wie zum Beispiel der Hotellerie, wird verlangt, dass ein Angestellter immer besonders herzlich und gut gelaunt sein müsse. Der Gast sei ja schließlich König und erwarte, dass er freundlich bedient wird. Ja mehr noch. “Der Gast will nur fröhliche und glückliche Gesichter sehen”, steht tatsächlich in einem Handbuch einer großen Hotelkette. Sich dauerhaft seinen Gefühlen und Emotionen zu verweigern, führt allerdings zu psychischen Krankheiten. Das wurde in Studien eindeutig nachgewiesen. Also flüchtet man sich gerne in Floskeln. „War alles in Ordnung?“, „Hatten Sie eine angenehme Anreise?“, sind dann die unaufrichtigen Fragen, mit denen man als Gast konfrontiert wird. Achten Sie doch einmal auf den Kellner, wenn er Ihren Teller abserviert. Oder besser noch: Rufen sie einfach in einem Hotel einer großen Kette an. Achten Sie dabei auf die Begrüßungsformel. Dann wissen Sie, was gemeint ist. (Sie können ja schnell wieder auflegen.)

About Kurt Steindl

Kurt Steindl ist professioneller Vortragsredner und Hoteltester. Seine Sicht der Dinge stellt er in diesem Blog vor.

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